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Tagebuch: Mein erstes Mal im MAP

Tag 1: Die Ankunft.

Mein erstes Mal im MAP. 
Der Wecker klingelt früh, um 4 Uhr um genau zu sein. Die Tasche ist gepackt, das Uber steht bereit. Meine Müdigkeit dämpft die Aufregung. Aber neben der Aufregung ist da vor allem: Vorfreude. Vorfreude darauf, den Ort zu sehen, an dem wir Tag für Tag versuchen einen Unterschied zu machen. Vorfreude darauf, Magda und Florin besser kennenzulernen. Vorfreude, auf all die Fellnasen. Vorfreude darauf, zu sehen, wo auch meine Hündin herkommt. Und natürlich Vorfreude auf gute Gespräche, das ein oder andere Bier und Zuika (Spoiler: die gab’s nicht, dafür aber leckeren Wein und mehr Lacher als ich es mir hätte vorstellen können). 

Angekommen in Bukarest wartet Florin schon am Flughafen auf uns. Die Fahrt ins MAP ist lang, aber irgendwie fühlt es sich schon vertraut an. Als hätte ich schon dutzende Male wie Sandra und Britta auf dem Weg gestoppt um Kuchen zu kaufen, wie wir es dieses Mal natürlich auch machen. Als wüsste ich, was mich erwartet, ohne es wirklich zu wissen. 

Unser erster Stopp ist die Klinik. Ein Ort, der Veränderung und Hoffnung symbolisiert. Ich kenne das alte Stadthaus nicht und doch kann ich mir vorstellen, wie es einmal war. Wie aus dem Wohnzimmer ein Behandlungsraum wurde und dem Gästezimmer ein OP-Saal. Ich stelle mir all die Tiere vor, die hier behandelt werden dürfen und all die, die wir auch in Zukunft noch unterstützen können. 
Im hinteren Teil der Klinik sitzen ein paar unserer Rentner. Als wir kommen, freuen sich Veronika und Greta schon auf ihre Kuscheleinheiten. Als sie förmlich in mich reinkriechen wollen, zerbricht ein kleiner Teil von mir und heilt im gleichen Augenblick. Sie werden vermutlich niemals eine eigene, echte Familie haben und doch haben sie so viel Lebensfreude und Liebe zu geben. Sie gehören zu denen, die keiner möchte. Zu alt, die Behandlungen zu teuer, zu krank. Und doch so wundervoll.

Nach einer Weile fahren wir ins MAP. Endlich angekommen, ist es schon Nachmittag. Die Zeit verfliegt hier wie im Flug. Du blinkst zweimal und sitzt schon beim Abendessen. 
Ich weiß nicht, was ich erwartet habe. Das MAP ist kein Shelter, kein Tierheim wie man es kennt. Das weiß ich. Und trotzdem berührt mich dieser Frieden, den dieser Ort ausstrahlt. Der Alltag ist schwer, die Arbeit hart und Freud und Leid liegt hier jeden Tag so nah beieinander. Und doch spürt man eine tiefe Zufriedenheit. Tierschutz ist nicht romantisch, aber wenn man diesen Ort sieht, den wir – vor allem Magda & Florin – hier geschaffen haben, weiss man: es lohnt sich. All die Arbeit, all die Tränen, all die schweren Momente lohnen sich. Für all die Nasen, Katzen, Hunde, Hühner und Bienen, die hier in Sicherheit leben dürfen. 
Ich habe eine Schwere erwartet und irgendwie hat mir dieser Ort am ersten Tag Leichtigkeit gezeigt. Mal sehen, wie es morgen weitergeht. 

Tag 2: Die Vergessenen und der Notfall.

Der zweite Tag bricht an. Die Nacht war kurz, aber irgendwie doch erholsam. Der Morgen beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück: Brot, Salat aus dem eigenem Anbau, Spiegeleier von unseren geretteten Hühnern und Kaffee mit Honig. Ja, richtig gehört. Hier gibt es keinen Zucker, denn wozu hat Florin schon seine Imkerlizenz? 

Dann verteilen wir uns. Britta und Magda fahren in die Klinik, Florin macht sich auf den Weg zu Fressnapf – Spenden sammeln, Vertrauen aufbauen und Aufklärungsarbeit leisten. Denn auch das ist Teil von wirklich nachhaltigem Tierschutz – und vielleicht sogar der wichtigste. 
Sandra und ich drehen unsere Runde auf dem Gelände. Neue Aufnahmen, Updates zu den Hunden und vor allem: Zeit. Zeit, die hier im Alltag zu oft zu kurz kommt. Menschliche Nähe, die so viele dieser Hunde kaum noch kennen. 
Manche haben ihr Vertrauen in uns bewahrt. Andere – vor allem die, die schon lange hier sind – haben sich längst zurückgezogen. Sie verbellen uns, weichen zurück oder verstecken sich ganz. Ihr Misstrauen ist nachvollziehbar. Und trotzdem tut es weh. 
Was bleibt ist die stille Wahrheit, die man hier irgendwann nicht mehr wegschieben kann: viele dieser Hunde werden ihr Leben lang im MAP verbringen. Und ja, das MAP ist friedlich. Das MAP ist sicher – und doch, ist es kein Zuhause. 


Wir sind gerade dabei, mit einer Tasche voller Leckereien ganz langsam, ganz behutsam Kontakt aufzubauen – da zieht ein Gewitter auf. Für uns heißt das leider: zusammenpacken und Richtung Haus. Damit ist wohl Zeit für Abendessen. Nun ja, das Abendessen gab es noch. Den Filmabend, den wir danach geplant hatten, vorerst nicht. 

Ein Anruf, ein Notfall. Ein Hund, angefahren von einem Auto. 

Wir ziehen uns an und machen uns sofort auf den Weg. Magda bereitet im MAP alles vor. Florin fährt mit uns den Anrufern entgegen. 
Was wir vorfinden: ein junger Rüde, der wimmert. Die Hinterbeine bewegen sich nicht. Wir laden ihn ein, so vorsichtig möglich, und bringen ihn ins MAP. In der Quarantäne versuchen wir erstmal das Nötigste: Wasser, etwas Futter, Schmerzmittel. Wir nennen ihn Elio – die Sonne. Er hat keinen Grund, uns zu vertrauen. Und doch lässt er es zu. Die Berührungen, die Untersuchung, die fremden Menschen um ihn herum. Ob er seine Hinterbeine jemals wieder bewegen wird — das weiß im Moment niemand. Aber er ist sicher. Er ist versorgt. Und er ist nicht mehr allein.

Auch das ist Tierschutz. Nicht romantisch, nicht planbar. Notfall für Notfall. Jeden Tag.